Haftungsrisiko für Sachverständige

Rechtsprechung zur Erweiterung des Haftungsrisikos für Sachverständige

Bei einer fehlerhaften Gutachtenerstellung haftet der Sachverständige nicht nur seinem Auftraggeber für den Ersatz des Schadens, sondern auch einem Dritten, wenn er in den Schutzbereich des Vertages miteinbezogen ist. Dabei kommt es nicht darauf an, ob überhaupt und inwieweit ein Vertrauenstatbestand gegeben war und das Vertrauen des Dritten enttäuscht wurde.

In seinem Urteil vom 14. November 2000 (Az.:X ZR 203/98) hatte der BGH über eine Schadensersatzklage eines Bauträgers gegen einen Sachverständigen zu entscheiden. Der Bauträger hatte in seiner Klage gegen den Sachverständigen einen finanziellen Schaden geltend gemacht, der ihm durch die verzögerte Bebauung eines Grundstücks entstanden war. Grund für die Verzögerung war ein fehlerhaftes Gutachten des Sachverständigen zur Schadstoffkontamination des Baugrundes, das der Bauträger vom damaligen Eigentümer erworben hatte. Beauftragt mit der Bodenuntersuchung war der Sachverständige nicht vom Bauträger, sondern vom Eigentümer.

Das Gericht stellte fest, dass nicht nur der Besteller eines Gutachtens Anspruch auf Ersatz des Schadens hat, der durch ein fehlerhaftes Gutachten verursacht wurde. Anspruchsberechtigt sei auch ein Dritter, der selbst keinen Anspruch auf die Hauptleistung aus dem Vertrag hat, wenn sich Schutzpflichten gegenüber dem Dritten stillschweigend aus dem Vertrag ergeben . So ergeben sich Schutzpflichten z.B. dann, wenn der Auftraggeber das Werk bei einer Person, die über eine besondere, vom Staat anerkannte oder durch einen vergleichbaren Akt nachgewiesenen Sachkunde verfügt (z.B. ein öffentlich-bestellter Sachverständiger, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater) bestellt, um davon gegenüber einem Dritten Gebrauch zu machen. Aber auch ein Gutachter, in den die Öffentlichkeit nicht in gleicher Weise die Erwartung besonders hervorgehobener Kompetenz, Erfahrung und Zuverlässigkeit setzen kann, wie beispielsweise bei einem öffentlich-bestellten Sachverständigen, kann für schädliche Auswirkungen seines Gutachtens auf Dritte haften müssen. Eine Haftung eines jeden Gutachters, auch wenn nicht öffentlich bestellt und vereidigt, wird vom BGH dann bejaht, wenn der geschädigte Dritte in den Schutzbereich des Gutachtenvertrages miteinbezogen wurde. Dies kann durch namentliche Nennung geschehen oder aber stillschweigend. Laut BGH ist diese Frage vom Gericht durch Auslegung des Gutachtenvertrages zu klären. Da der ursprüngliche Eigentümer des Grundstücks den Gutachter darauf hingewiesen hatte, dass ein Bauträger an dem Grundstück interessiert sei und die Bebauung plane, deute das darauf hin, das Gutachten solle auch im Interesse des bauwilligen Bauträgers erstellt werden.

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