11. Deutscher Sachverständigentag 2004, Bericht

Am 18./19. März diesen Jahres fand in Berlin der 11. Deutsche Sachverständigentag statt. Der Deutsche Sachverständigentag – DST – Berlin ist die zentrale Fortbildungsveranstaltung aller Sachverständigen der unterschiedlichen Sachgebiete und ist zugleich berufspolitisches Forum, um die Belange der Sachverständigen an die Öffentlichkeit zutragen.

Der BUNDESVERBAND DEUTSCHER GRUNDSTÜCKSSACHVERSTÄNDIGER e. V. – BDGS und die UNION FREIER SACHVERSTÄNDIGER e. V. – UFS wurden als Trägerorganisationen des DST durch die Sachverständigen, Dipl.-Ing. (FH) Franz Biedermann und Dipl.-Ing. Architekt Stefan Lange vertreten.

Das politische Plenum bildete unter dem Motto "Mittelstand gleich Sachverstand – Sachverständige gleich Mittelständler" den Auftakt der zweitägigen Gesamtveranstaltung und fand, wie in den vergangenen Jahren, im Hilton Hotel Berlin am Gendarmenmarkt statt. Der Präsident des DST, Herr Dipl.-Ing. (FH) Michael Staudt, konnte dabei als besonderen Gast Frau Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz begrüßen.
Die Rede von Frau Brigitte Zypries, welche neben den Änderungen im Haftungsrecht für Sachverständige und der Aufgabe der Einführung der Gewerbesteuer für Freiberufler, die Einführung des verabschiedeten Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetzes (JVEG), welches am 1.7.2004 in Kraft treten wird, zum Inhalt hatte, wurde mit regem Interesse von den ca. 230 Teilnehmern als Information aus erster Hand aufgenommen. Frau Zypries führte insbesondere aus, dass mit dem neuen Gesetz vom Entschädigungsprinzip zum Vergütungsprinzip übergegangen werde. Durch diese grundsätzliche Veränderung wird künftig auch eine dahingehende langjährige Forderung u. a. der Sachverständigen- Verbände BDGS und UFS berücksichtigt. Die Leistungen der Sachverständigen werden nunmehr 10 Honorar Gruppen zugeordnet mit Stundensätzen zwischen 50,- € und 95.- €. Diese Stundensätze wurden, nach Umfragen der Bestellungskörperschaften im Auftrag des BMJ (Bundesministerium der Justiz), aber mit einem 20 %-igen Abschlag ermittelt. Diese darin erfasste 20 %-ige Reduzierung wurde damit begründet, dass der Staat bzw. die Justiz ein sicher zahlender Auftraggeber sei und damit für die Sachverständigen keine Honorarausfälle zu erwarten seien. Insgesamt könne festgestellt werden, dass – je nach Tätigkeitsbereich des jeweiligen Sachverständigen – in Zukunft mit verbesserten Vergütungen, aber auch mit Verschlechterungen, vor allen Dingen für hauptberuflich tätige Sachverständige zu rechnen sei, insbesondere wegen des gleichzeitigen Wegfalls des bisher in § 3 Abs. 3 ZSEG (Zeugen- und Sachverständigen Entschädigungsgesetzes) möglichen besonderen Zuschlages für eben diese hauptberuflich tätigen Sachverständigen. Wichtig erscheint deshalb die Empfehlung:  Die Sachverständigen sollten deshalb Kontakte mit den Berufsverbänden halten, damit die Auswirkungen des neuen Gesetzes möglichst schnell an die zuständigen Ministerien weitergeleitet werden können.
Als u.a. weiterer Gastredner erläuterte Herr Engels von der IHK Berlin die Rolle der sachverständigen in den neuen Bundesländern am Beispiel Berlins. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang die immer noch unterschiedlich gehandhabten Zulassungsbedingungen bei der öffentlichen Bestellung, durch die ein „unerträglicher Bestallungstourismus" ausgelöst werde. Hier müsste endlich eine gemeinsame Basis gefunden werden.
Am 2. Tag begannen die speziellen Fortbildungs- und Fachtagungen, wie immer beim DST, geordnet nach wesentlichen Sachgebieten der unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche bei regem Zuspruch. Das Interesse aller Sachverständigen fanden außerdem fachübergreifende Referate u. a. zu aktuellen Steueränderungen für Freiberufler, das neue Vergütungsrecht für Gerichtssachverständige und aktuelle Haftungsfragen für Architekten und Ingenieure.
Für alle die dieses Jahr nicht am DST teilnehmen konnte ein Hinweis:  Alle Referate zum 11. DST – Berlin könne in Kürze als Abdruck über den DST (kostenpflichtig) bestellt werden. Auskunft dazu erteilen auch alle Trägerverbände.

gez.   Ass. jur. Susan Fischer,
Dipl.- Ing. (FH) Franz Biedermann,
Dipl.- Ing. Architekt Stefan Lange

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