13. Deutscher Sachverständigentag 2006, Bericht

Am 16./17. März fand in Berlin der 13. Deutsche Sachverständigentag statt.
Der Deutsche Sachverständigentag (DST) ist ein anerkanntes politisches und fachliches Forum des Sachverständigenwesens in Deutschland und bietet die Gelegenheit, die Belange der Sachverständigen an die Öffentlichkeit zu bringen.
Der BUNDESVERBAND DEUTSCHER GRUNDSTÜCKSSACHVERSTÄNDIGER e.V. – BDGS war als eine der Trägerorganisationen des DST durch den Präsidenten Dipl.-Ing. (FH) Johann Straub vertreten. In diesem Jahr stand der Tag unter dem Motto „Der Sachverständige als Partner des Bürgers“. Aus der Sicht der Politik, Medien und Justiz wurde die Rolle des Sachverständigen aus unterschiedlichen Blickrichtungen betrachtet. Es kamen in diesem Jahr etwa 180 Sachverständige zusammen, um Probleme ihrer Sachverständigentätigkeit zu diskutieren und sich in den einzelnen Fachtagungen fortzubilden.
In seiner Eröffnungsrede zum politischen Plenum erläuterte DST-Präsident, Michael Staudt, das diesjährig gewählte Motto. In Deutschland gibt es derzeit ca. 250 Sachverständigengebiete.
Dabei tritt der Sachverständige in verschiedenen Funktionen auf: als Mittler, als Berater, als Entscheidungshelfer der Gerichte und in privaten Angelegenheiten.
Bisher war das Wettbewerbsverbot für die Öffentlichkeitsarbeit sehr hinderlich. Der Sachverständige muss heute deutlicher in Erscheinung treten mit allen ihm möglichen Mitteln, allerdings unter Wahrung der Unabhängigkeit.
Der Ruf nach einem Sachverständigengesetz besteht weiter, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes.
Als Vertreter der Politik begrüßte Herr Staudt Dr. Michael Meister, MdB. Er berichtete über die Arbeit der großen Koalition in der neuen Legislaturperiode u.a. unter dem Aspekt des Bürokratieabbaus, der Eindämmung der Schwarzarbeit, der Unternehmensteuerreform und Steuervereinfachung. Er warf dabei die Frage auf, ob der Staat alles regeln müsse oder man den Bürgern mehr zutrauen könne. Für eine Übertragung einzelner Aufgaben des Staates auf den Bürger bedarf es entsprechender Reformen, die mit Hilfe von sachverständigen, spezialisierten Fachleuten erarbeitet werden müssen.
Anschließend sprach Herr Dr. Wolfgang Herles, ZDF, zum Thema „Sachverstand in der Politik – Anmerkungen zu einem Paradox“. Bei diesem Vortrag ging es mehr um eine satirische Betrachtung des Sachverstandes in der Politik. Hier einige Beispiele: „Sachverständige verstehen von wenig sehr viel und Politiker verstehen von vielem sehr wenig“. „Wähler bewerten die Politiker nicht nach Fähigkeiten oder Kompetenz, sondern nach Inszenierungen“. „Macht hat der, der Geschlossenheit darstellt.“
Den Abschluss des Plenums am ersten Tag bestritt Herr Dr. Walter Bayerlein, Vors. Richter am OLG a.D. Das Thema „Konfliktfeld Gericht, Richter, Sachverständiger, Rechtsanwalt“ wurde in einem humorvollem Vortrag einprägsam behandelt. Der Sachverständige sei Gehilfe der Sachgerechtigkeit und als Partner des Bürgers ein Beweismittel eigener Art vor Gericht. Seine Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit schützt den Schwachen vor der Willkür des Starken. Herr Dr. Bayerlein gab anhand von Zitaten aus dem Gerichtssaal Tipps zu Formulierungen und klärte die Teilnehmer über zulässige und unzulässige Fragen im Gerichtsverfahren auf.

Am 2. Tag folgten die breit gefächerten Fachvorträge zu aktuellen Sachverständigenthemen. Das Begleitprogramm mit Führungen durch das Bundeskanzleramt, das Heinrich-Zille-Museum und die Bildgießerei Noack rundeten die diesjährige Veranstaltung ab.
Der nächste DST in Berlin wird am 15. und 16.03.2007 stattfinden.

Die Vorträge des DST 2006 und auch 2005 sind auf CD-Rom für € 30,- (bzw. € 22,-) incl. MwSt. und Versand bei der DST-GmbH, Tel. 030 255 938-12, Fax: 030-255 938-14 erhältlich.

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