Sachverständigenvergütung

Das Thema Sachverständigenvergütung ist immer noch in aller Munde.
Im Rahmen der Novellierung des Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz (JVEG) hat das Institut Hommerich-Forschung im Auftrag des Bundesministerium der Justiz (BMJ) eine Marktanalyse zum Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz durchgeführt.

Ziel der Analyse war insbesondere die außergerichtlichen Stundensätze von Sachverständigen zu ermitteln, um ggf. das JVEG entsprechend anzupassen zu können. Inzwischen liegt wohl dem BMJ der Schlussbericht vor. Dr. Michael Eckardt hat für die Ingenieurkammer Thüringen eine erste Stellungnahme abgegeben, in der einige Ergebnisse wie folgt herausgearbeitet wurden.
Auszug: „Der Bericht belegt detailliert, dass in den für die Sachverständigen der Ingenieurkammern relevanten Sachgebieten bei Aufträgen der Privatwirtschaft überwiegend auf der Grundlage von Stundenhonoraren und weniger auf der Grundlage von Pauschalhonoraren abgerechnet wird (s.S. 66ff.). Die Nebenkosten werden dabei überwiegend zusätzlich zu den Stundenhonoraren geltend gemacht (S. 126ff.)

Hier nur einige Sachgebiete mit den ermittelten Stundensätzen herausgenommen:

  • „Bauwesen: handwerklich-technische Ausführung 80 €
  • Altlasten und Bodenschutz: 90 €
  • Bauwesen: Planung 90 €
  • Bauwesen: Schadensfeststellung, -ursachenermittlung und -bewertung 95 €
  • Bauwesen: Bauvertragswesen, Baubetrieb und Abrechnung von Bauleistungen 95 €
  • Bewertung von Immobilien: Gebäude und bebaute Grundstücke, unbebaute Grundstücke 100 €
  • Honorarabrechnung von Architekten und Ingenieuren: 115 €

Eine Veröffentlichung des Berichts ist in der Reihe „Rechtstatsachenforschung“ des Bundesanzeiger Verlages beabsichtigt. (Quelle: DIB Thüringen, Nr. 3/2010, IngenieurBlatt regional, S. 3)

Auch in der Sektionsmitgliederversammlung des BUNDESVERBANDES DEUTSCHER GRUNDSTÜCKSACHVERSTÄNDIGER e.V. – BDGS am 05.05.2010 wurde über Stundensätze für die Immobilienwertermittlung diskutiert.

In diesem Zusammenhang berichteten einzelne anwesende Mitglieder über die Höhe ihrer Stundensätze. Je nach Objekt, Verantwortung, Schwierigkeiten bei der Bewertung, weil z.B. keine Beispielsfälle vorliegen, lägen diese meist zwischen € 100,- und € 150,-, ausnahmsweise können sie aber auch € 200 – € 300 betragen können. Ein Stundensatz von € 80,-/85,- wird als zu niedrig angesehen.
Ein Stundensatz darunter war für die Anwesenden nicht vorstellbar mit der Begründung, bei zu niedriger Honorierung käme das Gutachten in den Ruf eines Bestellachtens.
Es wurde der Vorschlag unterbreitet die Stundensätze der Mitglieder durch eine Umfrage zu ermitteln und anschließend darüber zu berichten.

Deshalb bitten wir unsere Mitglieder uns unter Angabe des Fachgebietes mitzuteilen, welche Stundensätze sie verlangen.


Auch die Novellierung der HOAI wird fortgesetzt, weitere Verbesserungen sind notwendig. Die Verbandsgruppe steht in gutem Kontakt zum Bundeswirtschaftsministerium. Es hat bereits ein Gespräch mit Herrn Brüderle stattgefunden. Die Frage stellt sich, ob die Sachverständigen für die Bewertung von Immobilien mit der derzeitigen Regelung leben können oder ob noch einmal der Vorstoß gemacht werden soll, um Regelungen zur Honorarabrechnung für Wertermittlungsgutachten wieder in die HOAI aufzunehmen.

Nach eingehender Diskussion in der Sektionsmitgliederversammlung kam eine Einigung dahingehend zustande, dass eine Wiederaufnahme von Honorarvorgaben für Wertermittler in die HOAI nur sinnvoll wäre, wenn ein Mindeststundensatz von € 120,- festgeschrieben werden könne, nach unten zu und nach oben offen.

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